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Synagoge Brakel

Die Synagoge in der Ostheimer Str. 14, im Hinterhaus, war ein 2-stöckiges Gebäude mit hohem Innenraum. Nur durch die hohen, farbigen Fenster (im hinteren ‚Bereich) unterschied sich das Haus von anderen Gebäuden. Ein gewisser Abstand zu den beiden katholischen Kirchen musste gegeben sein.   

Im Jahr 1841 war die Grundsteinlegung – in einer Zeit, als landesweit Synagogen gebaut wurden -, welche das alte Bethaus (bei einem Landwirt) ersetzten. Die Einweihung der 100 Plätze umfassenden Synagoge mit Landesrabbiner Sutro war 1844. Brakel wurde 1847 eine eigener Synagogenbezirk mit den Orten Erkeln und Riesel. – Der soziale Aufstieg und die (weitgehende) Gleichberechtigung der Juden kommen hierin zum Ausdruck. Brakel zählt 200 Personen jüdischen Glaubens, der Höchststand in der Mitte des 19. Jh. Davon kamen ca. 15 aus Erkeln.

Im großen Vorderhaus waren Schule und die Lehrerwohnung untergebracht. Hinter dem Gebäude war ein freier Platz, der für Feste usw. genutzt wurde, aber auch als Pausenraum für die Schüler mit einem Sportgerät (Barren). Als Spielgelände war der Ort beliebt bei allen Kindern.

Über Selbstverständnis, Ritus, Feste und Feiertage
Die Geschichte der Juden ist lange ein unstetes Leben in Diaspora mit dem Kampf um das Überleben, bei häufiger Bedrohung durch die einheimische Bevölkerung. Darüber findet man leider wenig Informationen. Dazu unterscheiden sich die religiösen jüdischen Rituale sich stark von den christlichen Gewohnheiten. Über das Thema gibt es kaum etwas, auch nicht aus Brakel, wo eine enge räumliche Nachbarschaft und Verzahnung bestand.

Der Sabbat (der Samstag) ist bekanntlich der wöchentliche Feiertag. Er beginnt am Freitagabend und endet am Samstagabend. Inwieweit der Gottesdienst auch von jüdischen Geschäftsleuten besucht wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls blieben die Geschäfte geöffnet. Anders an hohen Feiertage wie Jom Kippur und dem Neujahrstag, da wurden die Geschäft geschlossen. Es ist überliefert, dass die Gottesdienste sehr feierlich und festlich waren und die Gottesdienstbesucher danach gerne auf der Bank vor den Häusern verweilten. Auf gute Kleidung wurde großer Wert gelegt.

Die Bar-Mizwah (Konfirmation Jungen 13 Jahre) bzw. Bath-Mizwah (Konfirmation Mädchen 12 Jahre) wurden groß gefeiert mit Festessen und großer Beteiligung. – Umgekehrt war die katholische Kirche nicht erbaut, wenn am Sonntag Geschäfte z. B. mit Vieh getätigt wurden.

Die vorhandene kleine Orgel ist ein Zeichen für ein offenes, liberales Judentum, das in Brakel gepflegt wurde. Die Orgel fand 1938 nach der Pogromnacht in Beller Verwendung. Inwieweit es auch Strömungen für ein traditionelles Judentum in Brakel gab, ist wenig bekannt.

Erhalten sind auch Teile der alten farbigen Fenster, die im Stadtmuseum gezeigt werden. Von der Innenbemalung ist eine Planungsskizze des Architekten aus Hannover erhalten. Der Deckenraum soll ein Sternenhimmel, blau mit Sternen, im maurischen Stil, gewesen sein.  

  • In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge heftig verwüstet von einem SA-Trupp von außerhalb – ebenso wie weitere Geschäfte in der Innenstadt. Zwangsverkauft wurde das Gebäude zunächst und diente als Stall, dann als Werkstatt und schließlich nach einiger Zeit als Leerstand -vermutlich um 1960 – zum heutigen Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Ein Zeitzeuge* berichtet, dass an der alten Fachwerkfassade bis in diese Zeit der große rote Schriftzug „In diesem Haus wohnen Juden“ zu lesen war. Das war die Fassade des Vorderhauses, der Schule und Lehrerwohnung. Ab 1939 diente das Gebäude als Judenhaus für etwa 10 Personen – wie das Haus des Gastes am Marktplatz. Dort waren um 25 Personen untergebracht (!). – In der Nachkriegszeit war das Thema Nazivergangenheit und Juden sehr lange ein absolutes Tabu-Thema, nicht nur in Brakel.
    *) Freundlicher Hinweis von Hans Happe, Verl, aufgewachsen in Osth., Straße 15. Ein Frau Happe hat Orgel gespielt, hinweg über die Religionsgrenzen. So ist es zusätzlich belegt.

  • 2015 wird eine Steinplatte mit dem Wort Shalom in das Pflaster eingebracht und 2016 eine Gedenkplatte (Metallplatte) an der seitlichen Wand befestigt.

  • 2024 werden sechs Stolpersteine hier verlegt: Danach haben zuletzt, nach der Schließung von Schule und Synagoge, diese Personen im Vorderhaus gewohnt: Familie Aron, Olga Buchthal und Julius Neuburger.    

Weitere Hinweise

  • Im Buch Engemann/Ernst (1988) ist beschrieben, dass der freie Platz hinter die Synagoge ein Begegnungsort war, der mit einem Turngerät (Barren) versehen war, den die anwohnenden Kinder mitbenutzen durften. Die jüdischen Feste, Hochzeiten und die Bar Mitzwa der Jungen im Alter von 13 Jahren wurden groß gefeiert und man habe Wert auf gute Kleidung gelegt, die auch von den Nachbarn aus Respekt getragen wurde. Vgl. auch App Stolpersteine NRW, Textbeitrag bei für Egon Aron von Michael Markus.

  • Von der Übergabe der Bemalungsskizzen (durch Willi Nahen aus Schmeckten) gibt es einen Beitrag auf der Internetseite der Stadt Brakel.